26 September, 2017

MEIN OPA UND ICH

Die grauen Wolken haben sich verabschiedet und die Sonne hat wieder den Weg nach Wien gefunden. Ich liebe den Herbst, vor allem wenn es so schön sonnig ist. Meinen Arbeitsplatz habe ich heute auf die Terrasse verlegt. Ich brauche ja nicht viel, außer meinen Laptop und eine volle Kaffeetasse. Über meine Schulter habe ich mir meine Lieblingsweste geworfen. Keine Weste aus Kaschmir oder von Gucci. Nein. Meine Lieblingsweste hat mal meinem Opa gehört.

Er war für mich mein Lieblingsmensch. Als Kind war mein Opa mein Held und ist es bis heute geblieben. Ihr müsst wissen, ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen und sie haben mich mit der schönsten Kindheit beschenkt, die man sich als Kind nur wünschen kann. Wir haben damals zu dritt in einem urigen Häuschen in einem kleinen Ort in Großpolen gewohnt. Zum Haus gehörte ein großer Garten mit vielen Obstbäumen, verschiedenen Gemüsesorten und jede Menge Blumen. Um uns herum wohnte die Verwandtschaft und es verging kaum ein Tag ohne Besucher. Unvergesslich bleiben die Grillabende zu denen meine Großeltern einluden. Mein Opa war Bäcker von Beruf und so gab es jeden Tag frisches Brot und leckeren Kuchen. Meine Oma kochte immer frisch und saisonal. Mehr Bio kann man sich kaum vorstellen. Wir hatten eigene Hühner und das Fleisch kam von befreundeten Bauern. Glückseligkeit pur! Wenn ich nicht am Esstisch saß war ich im Garten in der Hängematte, am Fahrrad am Weg ins Grüne, im Schwimmbad, etc. Gebe es eine Zeitmaschine würde ich mich in das Jahr 1998 beamen. Da war ich 14 Jahre jung und in diesem Jahr war der schönste Sommer meines Lebens. Wir feierten jede Woche ein Fest mit Familie und Freunden, spielten Brettspiele und lachten so hart bis wir fast platzten. Vor einigen Jahren ist mein Opa schwer erkrankt und wir wussten der Tag wird kommen an dem wir uns verabschieden müssen. Wir waren so viele Jahre unzertrennlich. Machten alles gemeinsam. Als es dann so weit war und ich an seinem Sterbebett saß, haben wir nur geweint und uns die ganze Zeit umarmt. Seitdem er weg ist, ist auch ein Stück von mir mit ihm gegangen. Ich bin nicht besonders gläubig, aber ich hoffe, dass wir uns einmal wiedersehen. Was er wohl dazu sagen würde, dass ich einen Blog schreibe und meinen alten Job gekündigt habe? Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sicher, er würde zu mir halten, wie er es immer getan hat. Am meisten vermisse ich unsere Gespräche. Opa hatte immer einen guten Rat und zwei Lebensweisheiten für mich obendrauf. Wieso ich euch das erzähle? Vielleicht vermisst ihr auch jemanden. Denkt aber daran, dass diese Person euer Leben bereichert hat, auch wenn sie jetzt eine Lücke hinterlässt. Es ist besser eine Person zu vermissen, als diese nie in seinem Leben gehabt zu haben.

1 comment

  1. Wow Kami, was für ein schöner Text <3 Es hört sich wirklich an, als hättest du eine traumhafte Kindheit gehabt...wie schön :-)

    Liebste Grüße, Carina

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